Der neue Stiftspark: Ein Gespräch über Farbe, Regenwasser und Gemeinschaft

Im Paul Gerhardt Stift wird schrittweise ein neues Freiraumkonzept entstehen: vom bereits sanierten Eckhaus über den Neubau bis hin zum großen Stiftspark. Ein Quartier, für Bewohner:innen und Nachbarn.

Die Landschaftsarchitektin Sarah Holler von tafkaoo architects erklärt im Gespräch die gestalterische Idee, die Finanzierung, aber auch persönlichen Wünsche für den Park.

Frau Holler betreut sämtliche Außenanlagen, vom kompakten Eckhausgarten über die Konzeption der Außenanlage des Neubaus bis zum Stiftspark. „Das ist eine sehr schöne Aufgabe, weil sie im Kleinen beginnt und sich zu etwas Großem entwickelt", beschreibt sie den Werdegang des Projekts.


Der Innenhof am Eckhaus als Ausgangspunkt

Vom neu gestalteten Stiftshof, von dem sich der Bodenbelag gestalterisch ausweitet, kommt der Fassadenarchitektur des prägnanten Klinker-Eckhauses besonderer Bedeutung zu: Die von Heinrich Theising entworfene Klinkerfassade, für den Wohnungsbau ihrer Zeit ungewöhnlich, greift den Geist der Berliner Moderne auf - die enge Verbindung von Wohnhaus und Freiraum, verstanden als Ort für Licht, Luft und Sonne.

Diese charakteristische Fassade wird im Innenhof gestalterisch aufgenommen: “Es gibt in der Bepflanzung überraschend viele Rottöne - im Laub wie in der Blüte. Das lässt sich dezent einsetzen oder, zur Blütezeit, auch bewusster in Szene setzen.” Die Farbigkeit bleibt dabei bewusst auf das Eckhaus begrenzt. Materialität und Oberflächen ziehen sich jedoch vom Eckhaus aus weiter über den Stiftshof zum Neubau bis in den Park. Farblich soll dort dann stattdessen ein markantes Stiftsblau als eigenständige Identitätsfarbe dominieren, das künftig vor allem bei Möblierungselementen und in Abstufungen dann im Bepflanzungskonzept aufgegriffen werden kann.

Funktionale Herausforderung: Müllhäuschen und Fahrradstellplätze

Ein gestalterisch anspruchsvolles Element ist die Unterbringung von Müllhäuschen und Fahrradstellplätzen im Hof des Eckhauses. Gefordert sind 13 Stellplätze; geplant sind zusätzliche 25 - deutlich mehr, als eigentlich vorgeschrieben, um dem tatsächlichen Bedarf gerecht zu werden. Für die Einhausung ist eine leichte Konstruktion aus Streckmetall vorgesehen, die formal an den Jugendstil anknüpft. Das Material wird sich im Neubau, sowie im Stiftspark, in einzelnen Elementen wiederholen und ist ein bewusstes Wiedererkennungsmerkmal über die Bauabschnitte hinweg.

Regenwassermanagement als zentrales Zukunftsthema

Ein Schwerpunkt des Konzepts liegt auf dem Umgang mit Regenwasser. Bereits am Eckhaus wird ein Teil der Dachwässer in den Innenhof eingeleitet, statt in die Kanalisation. Das reduziert nicht nur Abwassergebühren, sondern entlastet das Kanalnetz auch bei zunehmend häufigen Starkregenereignissen. Dieses Prinzip soll im Stiftspark deutlich ausgeweitet werden: Unterirdische Rigolenboxen sollen Regenwasser zwischenspeichern und langsam an den Boden abgeben. Für den Neubau ist ein solches System ohnehin verpflichtend.

Finanzierung: Ein Zusammenspiel aus Bezirk und Senat

Die Fördermittel stammen aus dem Sanierungsgebiet Müllerstraße. Für das Eckhaus wurden bereits Bezirksmittel zugesagt, die nach Fertigstellung abgerufen werden. Für Neubau und Stiftspark wurde gemeinsam ein größerer Förderantrag gestellt: Der Bezirk übernimmt rund 350.000 Euro für den Neubau, der Senat für Bauen und Wohnen stellt für den Stiftspark 800.000 Euro für 2028 in Aussicht - bei einem geplanten Gesamtvolumen von 3,6 Millionen Euro.

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Zeitplan: Zwei Bauabschnitte bis 2029

Die Vorplanung für den Stiftspark soll bis zum nächsten Jahresende abgeschlossen sein, 2028 ist der erste Bauabschnitt vorgesehen, koordiniert mit der ohnehin notwendigen Sanierung der Stiftsmauer im südlichen Bereich. 2029 folgt der nördliche Teil in Richtung Neubau, einschließlich der Flächen um Haus E und F. Ziel ist eine Fertigstellung bis Ende 2029, um die Belastung durch Bautätigkeit für die Bewohner:innen zeitlich zu begrenzen.

Drei Herzenswünsche für den Park

Auf die Frage nach persönlichen Prioritäten - unabhängig von Abstimmungszwängen - nennt die Landschaftsarchitektin drei Ideen:

  1. Ein Quartiersmanagement, das beispielsweise die Vergabe von Gemeinschaftsbeeten koordiniert, oder Gärtner:innen für gemeinsame Pflanz- und Pflegetermine mit Bewohner:innen einbindet und ein Jahresprogramm vom Kurs zum Gärtnern über Yoga im Park bis zum PGS Boule Cup entwickelt.

  2. Eine Schnittblumenwiese, aus der sich spontan ein Strauß pflücken lässt, etwa vor einem Besuch.

  3. Eine Schaukelwiese auf einer bislang ungenutzten Restfläche. Schaukeln ist generationenübergreifend beliebt - und wie Erfahrungen aus einem vergleichbaren Projekt in Salzburg zeigen, auch pädagogisch wertvoll - etwa für das Einüben von Geduld und Impulskontrolle.

Miteinander statt Verbote

Ein Balanceakt bleibt der Umgang mit unterschiedlichen Nutzungsansprüchen etwa zwischen spielenden Kindern auf Fahrrädern oder Rollern und sensiblen Grünflächen. Statt strikter Verbote setzt das Konzept auf Eingrenzung und gegenseitige Rücksichtnahme zwischen den Generationen: Ältere Bewohner:innen können jüngere freundlich auf Regeln hinweisen, während junge Menschen die älteren zugleich zur Mitgestaltung motivieren - getragen von einem gemeinsamen Verantwortungsgefühl für den Park.

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Nachhaltigkeit: Wiederverwendung wo möglich

Auch beim Materialeinsatz spielt Nachhaltigkeit eine Rolle. Geplant sind Workshops, in denen vorhandenes Mobiliar, etwa Bänke, gemeinsam saniert wird. Bei Pflastersteinen und Tragschichten wird geprüft, was sich sinnvoll wiederverwenden lässt: Vorhandenes Material soll möglichst vor Ort zwischengelagert und wieder eingebaut werden, statt es ab- und neu antransportieren zu müssen – ein Ansatz, der sich bereits beim Eckhaus bewährt hat.








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