150 Jahre - viele Perspektiven: Stimmen aus dem Stift

In dieser Woche teilen wir mit Ihnen einen Beitrag von Rose Brotherton. Sie ist ausgebildete Tänzerin aus Kalifornien in den USA und hat im Paul Gerhardt Stift Kinder und Jugendliche aus dem Refugium, unserer Unterkunft für Geflüchtete, für das Tanzen begeistert. Sie schreibt, warum Musik, Bewegung und ein gemeinsames Ziel dabei so viel bewirken können.


“Mein Plan in 2025 war es, einen Workshop für Stepptanz und Step-Dance für Kinder und Jugendliche zu leiten. Ich hatte bei der Stadt Fördermittel beantragt, aber keine positive Antwort erhalten. In der Vergangenheit hatte ich oft Gruppen von Jugendlichen unterschiedlichen Alters im irischen Stepptanz unterrichtet. Ich war in Schulen und Nachbarschaftszentren gegangen und hatte dort Workshops als außerschulische Aktivitäten abgehalten.

Dann traf ich im Paul-Gerhardt-Stift auf dem Weihnachtsmarkt einige Leute, die mir von dem nahegelegenen Heim erzählten, in dem Geflüchtete lebten.

Kinder, die traumatische Situationen durchlebt haben, die ihre Heimat verlassen haben und in ein fremdes Land gekommen sind, profitieren sehr davon, wenn ihnen in einer Gruppe mit Musik Tanztechniken vermittelt werden. Dieses Gefühl, mit den Schritten Musik zu machen, war etwas, das fast jedes Kind und jeder Jugendliche zu schätzen wusste. Ich habe Kindern mit Migrationshintergrund oder Fluchtgeschichte neue Bewegungsformen in einem Umfeld nähergebracht, das sie als sicher und zugleich anregend empfinden.

Ein Musik- und Sportkurs bringt Freude und die Befriedigung, eine neue Technik zu meistern. Die Kinder empfinden es als Herausforderung, schneller zu treten, höher zu springen, sich zu drehen und sich ganz ungezwungen gehen zu lassen. Der Wettstreit untereinander ist eine gesunde Möglichkeit, das eigene Selbstvertrauen zu stärken. Das gemeinsame Arbeiten auf eine Aufführung am Ende eines 10- bis 12-wöchigen Kurses gibt ihnen den Ehrgeiz, sich noch mehr anzustrengen – selbst wenn der Tag zunächst trüb erscheint.”



Rose Brotherton         
Berlin, Oktober 2026


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