Weltfrauentag im Paul Gerhardt Stift
„Frauen tragen dieses Haus: mit Arbeit, Fürsorge, Erfahrung und Haltung.“
Der Internationale Weltfrauentag ist mehr als ein Datum im Kalender. Er ist Anlass sichtbar zu machen, was im Alltag oft selbstverständlich erscheint: das Engagement, die Kompetenz und die Stärke der Frauen, die unser Haus prägen und tragen.
Anlässlich des Weltfrauentages haben wir mit Stefanie Tepie Tame, Geschäftsführerin der PGS Soziales gGmbH und Leitung des Refugiums, sowie mit Dr. Cornelie Kunkat, Mitglied des Kuratoriums, gesprochen. Wir haben sie zu ihrem beruflichen Werdegang befragt und was Sie dabei stolz macht.
Stefanie Tepie Tame, Geschäftsführung der PGS Soziales und Leitung Refugium, in Begleitung auf dem Jahresfest des Paul Gerhardt Stifts.
Wie sind Sie dahingekommen, wo Sie heute stehen?
Stefanie Tepie Tame: Dass ich heute Geschäftsführerin bin, ist tatsächlich das Ergebnis einer ganzen Reihe von glücklichen Zufällen und vieler Menschen, die an mich geglaubt haben. 2015 habe ich im Refugium, unserer Unterkunft für geflüchtete Menschen, mein studienbegleitendes Praktikum absolviert. Ein Jahr später bot mir die damalige Einrichtungsleitung eine Stelle als Sozialarbeiterin an, was für mich der Einstieg in die praktische Arbeit und in ein Umfeld war, das mich sehr geprägt hat.
2018 übernahm ich gemeinsam mit einer Kollegin die Einrichtungsleitung des Wohnheims und seit 2022 trage ich als Geschäftsführerin der PGS Soziales gGmbH Verantwortung für das Ganze. Ich hatte das große Glück, schon früh Aufgaben zu bekommen, an denen ich wachsen konnte. Führungskräfte haben mir vertraut, mich gefördert und mir immer wieder Räume eröffnet, in denen ich mich ausprobieren durfte.
Gleichzeitig habe ich jede Gelegenheit genutzt, mich fachlich weiterzuentwickeln und mich schnell in neue Themen einzuarbeiten. Besonders wertvoll war für mich, in Teams arbeiten zu dürfen, die offen für neue Ideen waren und in denen Engagement gesehen und geschätzt wurde.
Am Ende war es eine Mischung aus Unterstützung, Eigeninitiative und gutem Timing, die meinen Weg möglich gemacht hat und dafür bin ich sehr dankbar.
Dr. Cornelie Kunkat: Ich habe immer meine Ziele verfolgt und zwar mit einer Mischung aus Lust und durchaus Ehrgeiz. Das heißt, ich bin meinen Neigungen gefolgt, habe mir immer Themen gesucht, die mich interessieren, habe es dann aber auch an Engagement nicht fehlen lassen.
Worauf sind Sie stolz?
Dr. Cornelie Kunkat: Ich bin froh (und vielleicht auch stolz darauf), dass ich Familie und Beruf unter einen Hut bekommen habe. Vier Töchter zu haben, ist wunderschön! Aber parallel die berufliche Verwirklichung nicht zu kurz kommen zu lassen, ist ebenfalls wichtig, um sich mit Selbstbewusstsein erfolgreich engagieren zu können.
Stefanie Tepie Tame: Wenn ich auf die letzten Jahre zurückblicke, bin ich besonders stolz auf die Entwicklung der PGS Soziales gGmbH. Als ich die Gesellschaft übernommen habe, waren wir ein Team von 23 Mitarbeitenden im Zukunftshaus und im Refugium. Seitdem haben wir Schritt für Schritt neue Bereiche aufgebaut und Verantwortung übernommen: 2022 kam das Servicewohnen hinzu, 2023 haben wir die Kita wieder in unsere eigene Trägerschaft zurückgeholt und 2024 schließlich einen ambulanten Pflegedienst mit zwei ambulant betreuten Wohngruppen gegründet.
Heute sind wir 86 Mitarbeitende – Menschen, die mit Herz, Professionalität und großem Engagement all denen dienen, die unsere Unterstützung brauchen. Diese Entwicklung erfüllt mich mit Dankbarkeit und Stolz. Nicht, weil es ‚mein‘ Erfolg wäre, sondern weil die PGS Soziales zeigt, was möglich wird, wenn viele Menschen gemeinsam an eine Idee glauben und Verantwortung füreinander und für die Gemeinschaft übernehmen.
Welcher Rat hat Ihnen in Ihrer Karriere geholfen und von wem kam dieser Rat?
Dr. Cornelie Kunkat: Tatsächlich habe ich gar nicht so viele Ratschläge bekommen. Aber sicherlich ist es wichtig, sich fortlaufend und vertraulich mit anderen Frauen auszutauschen in Bezug auf die Vereinbarkeit von Familie und Karriere. Jede Frau muss natürlich ihren eigenen Weg gehen, aber motivierende Impulse von außen sind immer wichtig.
Und: Chancen ergreifen, wenn sie sich bieten. Bloß nicht meinen, andere seien unbedingt besser geeignet als man selbst!
Stefanie Tepie Tame: Einen Rat, der mich in meiner Karriere wirklich begleitet hat, bekam ich in einem Gottesdienst, in dem der Pfarrer immer wieder folgenden Satz wiederholte: ‚Gott gibt dir keine Herausforderung, die du nicht bewältigen kannst.‘
Dieser Satz hat sich in mir festgesetzt. In meinen ersten Jahren in neuen Positionen – als ich oft ins kalte Wasser geworfen wurde, mich in völlig neue Aufgaben hineinarbeiten musste und manchmal schlicht überfordert war, war er wie ein innerer Anker. Immer wenn ich abends das Gefühl hatte, der Tag sei über mich hereingebrochen, oder wenn ich dachte, dass ich einer Verantwortung nicht gewachsen bin, kam mir dieser Satz wieder in den Sinn.
Er hat mich daran erinnert, dass Herausforderungen nicht bedeuten, dass man scheitert, sondern dass man wächst. Unsicherheit ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein natürlicher Teil von Entwicklung. Und dass es in Ordnung ist, nicht alles sofort zu können – solange man bereit ist, dranzubleiben.
Dieser Gedanke hat mir Mut gemacht, weiterzugehen, auch wenn ich innerlich gezittert habe. Er hat mir geholfen, Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten zu entwickeln und gleichzeitig dem Prozess zu vertrauen. Und rückblickend kann ich sagen: Viele der Situationen, die mir damals unüberwindbar erschienen, waren genau die, die mich am stärksten gemacht haben.
Deshalb ist dieser Satz für mich bis heute mehr als ein Trost. Er ist eine Haltung geworden: Herausforderungen nicht als Bedrohung zu sehen, sondern als Einladung, über sich hinauszuwachsen
Am Weltfrauentag sagen wir Danke: an allen Frauen im Paul Gerhardt Stift und darüber hinaus. Für ihre Arbeit, ihre Kraft, ihre Professionalität und ihr Herz.